Nach der Kippe Pogo?!
16.04.2008 | 15:03 | von pasQualle veröffentlicht in Noise, Notizen | 4 Kommentare

Das Art-Canrobert in meiner Heimatstadt war zu meiner Zeit™ noch besser als es heute ist. Der 1998 gegründete Verein dessen Ziel es ist durch Musikveranstaltungen und Kunstausstellungen die kulturellen Interessen von Jugendlichen zusammenzuführen und zu fördern. Untergebracht in einem ehemaligen und verlassenen Keller eines französischen Stützpunkts war er das Alternativste in der Umgebung. Vor dem Eingang standen brennende Tonnen, im Keller war es kalt, überall waren Graffitis, der Alkohol war billig, die Musik hart und schnell. Die kleine links-orientierte Szene hatte einen Anlaufpunkt. Von »richtigen« Punks (die mit den Hunden und den Haaren und einem Schlafplatz auf der Parkbank) bis zu pubertierenden Oberschichtenkindern die dachte mit ein bisschen Farbe im Haar und einem Anarchiezeichen auf der Lederjacke rebellisch zu sein, traf man hier auf alles was sich für Illegalität interessierte. Dort entdeckte ich auch, nach einem längeren Gespräch mit einem dieser ideologischen Punks, dass ihre Denke ähnlich intolerant ist wie jene der Rechten, gegen die sie immer wieder hetzten und demonstrierten.
Nichts desto trotz verbrachte ich dort die schönsten und meinst auch benebelsten Stunden meiner Jugend.
Die Stadtverwaltung beschloss irgendwann dann diese alten französischen Gebäude zu renovieren und in diesem Zuge auch den unliebsamen Verein, der bei Festen immer wieder die Aufmerksamkeit der Polizei erregte, da sein Gebäude in einem recht noblen Viertel beheimatet war, rauszuwerfen.
Jetzt, und am 22. März war ich zum ersten Mal dort, ist der Verein in einem alten 60er Jahre Fabrikgebäude untergebracht. Dies hat nicht annähernd den Charme des alten versifften Kellers und auch das Publikum ist immer jünger geworden. Farbige Haare und Iros findet man immer noch, doch gehören sie nun zur jenen wohlbehüteten Pubertätsrebellen. Richtige Punks findet man dort nicht mehr.
In meinem weißen Pullover mit roten Querstreifen erntete ich doch eine Menge schiefer Blicke, wobei wir wieder bei der fehlenden Toleranz wären. Natürlich war ich da um mit anzuschauen was aus dem Club meiner Jugend wurde, wie er sich verändert hatte, inwieweit er sich entwickelt hatte (diesbezüglich war es doch enttäuschend), aber der eigentliche Grund waren dann doch Antitainment. Die Jungens aus der Nähe von Frankfurt, das Dorf heißt Bad Vilbel aber wen interessiert das schon, kamen aufs Land um die Dorfpunks mit ihrer Musik zu entzücken. Es war sehr schön anzusehen wie die Leute zu dem mit Nintendosounds gespickten Hardcore durchdrehten und dabei nicht merkten wie Antitainment sich in ihren Texten über eben jene, die Punk und Hardcore-Szene, lustig machte. Das neue Album »Nach der Kippe Pogo« knüpft nahtlos an die Erfolge des letzten an. Straight forward Nintendocore mit fantastisch ironischen Texten.
»[mp3] Antitainment - Autonom
»[mp3] Antitainment - You Will Never Drown In A River Of Tears Because Your Eyliner Is Not Waterproof
»[mp3] Antitainment - Todd Killings
»[mp3] Antitainment - Richtet Hin Was Euch Einrichtet
»[mp3] Antitainment - Als Manowar Den Krieg Verlor
»[mp3] Antitainment - Tot und Zeitschlag
Tags: Antitainment | Art Canrobert | Konzert | mp3
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17.04.2008 um 9:50 | # | @
Wenn wir die Zeit schon totschlagen müssen, dann wenigstens richtig *_*
19.04.2008 um 20:39 | # | @
Von einem einzelnen Besuch auf die gesamte Vereinsentwicklung zu schließen is aber auch nich oke.. und die Hundepunks kommen immer noch sehr häufig. Nebenbei feiert Art Canrobert dieses Jahr 10jähriges bestehen tataa und es wird ein tolles Festivalo im Juni geben
19.04.2008 um 20:53 | # | @
@osnposn: Ja gut sehe ich ein. Mir geht es eigentlich auch viel mehr um die Location. Damals im versifften Keller war das Publikum wahrscheinlich das gleiche nur hat der Keller es irgendwie geschafft selbst Freizeitpunks richtig schön down with the shit erscheinen zu lassen. Die neue Lokalität erinnert mehr an ein Vereinsheim welches optisch auf Punk gemacht wurde, anstatt Punk zu sein (wie der Keller).
09.05.2008 um 12:35 | # | @
Das hier klingt wie “plärrendes Geräusch”… heul
immer diese Meinungsjunkies