ARTE du machst mich fertig
26.04.2008 | 02:58 | von pasQualle veröffentlicht in Neon | 0 Kommentare

Es passiert nur äußerst selten, dass ich beim Blick in die Röhre denke mein Gehirn kam kurz raus an die Luft, hat sich kräftig geschüttelt (hier muss man sich jetzt einen nassen langhaarigen Hund vorstellen) und legte sich danach wieder rein. Allerdings weitaus mehr verknotet. Ich musste Arte heute ausschalten.
Tracks, meine bevorzugte Musik/Kultur/Pop-Sendung im deutschen französischen Fernsehen, kümmerte sich heute um belgische Tänzer. Wenn man dem Zuschauer Honig um den Mund schmieren möchte könnte man es so formulieren:
Der Hardcore-Techno-Sound war in den 90ern auch bei Hooligans, Skinheads und anderen Fans des BPM-Dauerfeuers beliebt. Der dazugehörige Tanz, Hakke genannt, bildet die Basis des Jumpstyle.
Die bewegten Bilder zeigten dann belgische Jugendliche die zum Sound ihres Handys in der altbacken und abgedroschen eingerichteten Wohnung ihrer Eltern, oder synchron in Gruppen draußen auf dem Parkplatz neben der Tanke zu den Bässen aus den Anlagen ihrer schlecht aufgemotzten Autos abspacken. Wild rumhüpfen. Nebenan dreht ein anderer mit seinem Roller schwarze Gummikreise auf den Asphalt. In gewisser Weise ist der Tanzstil faszinierend (er sieht auch unglaublich anstrengend aus), wäre da nicht die Ähnlichkeit zu griechischem Sirtaki oder russischen Volkstänzen. Er scheint auch nichts anderes zu sein als ein Volkstanz, nur zu treibendem Bass anstatt zur Klempfe. Gehirnzustand: Erheitert.
Der Beitrag zu Musik-Game-Szene in Japan war, natürlich, was will man auch Japan in Dingen Technologie auch erwarten, abfahren. Das Kennenlernen von John Whitney entsprach einer Pause in den verrückten Klangwelten und animierten Popstars. Gehirnzustand: Normal bis leicht verwirrt.
Dann ein Japaner der auf einem Brokkoli »Mary had a little lamb«spielt, gefolgt von einem üblen Hardcore/Trash/Speed-Metall Musicvideo. Ich war angeschlagen, aber noch nicht gewillt auszuschalten.
Das änderte eine Stunde El Topo. Ich habe selten, nein, ich habe noch nie solch einen verwirrend anziehenden Film gesehen (nein, auch Lynch kommt nicht ran). Der chilenische Regisseur Alejandro Jodorowsky, der in El Topo auch selbst die Hauptrolle spielt geht mit diesem surrealen Stück Bewegtbild an die Grenze des Ertragbaren. Hinter der Westernkulisse durch die sich der Revolverheld bewegt und deren Bilder, Wendungen und Einstellungen provozierender und verwirrender kaum sein könnten, versteckt Jodorowsky Religion und Spiritualität, mischt dies mit brutaler Gewalt und kongenialem Soundtrack.
Schon in einer der ersten Szenen als dieser große, bärtige, schwarz gekleidete Mann mit seinem nackten siebenjährigen Sohn auf dem Pferd in ein Dorf geritten kommt und dort einen der Bewohner auf einem hohen hölzernen Stock aufgespießt und den See Blut auf dem Boden sieht, möchte man nur noch auf den roten Knopf drücken. Wenn solche frontale Absurdität nur nicht so neugierig machen würde.
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